Ab und an fragt man sich, »Warum dauert das Skizzieren vor Ort bei mir zu lange?«. Man setzt Strich um Strich. Sucht Perspektive. Kritzelt Details. Und dabei könnte man das gleiche Motiv auch mit viel weniger Aufwand zeichnen. Während meiner Ausbildung zur Grafik-Designerin haben wir wochen- und monatelang die sogenannten richtungslosen Flecken – also Punkte – ausgeschnitten und auf Blättern angeordnet. Erst einer, dann mehrere, dann viele, dann in Graustufen. Alles nur, um Sehen zu lernen. Damals erschloss es sich mir nicht unbedingt. Heute schaue ich mir Bilder und Motive anders an. Bildränder sind wichtig. Leerräume. Zwischentöne. All das ist auch beim Urban-Sketching wichtig.

Meine Skizzen dauern meistens um die 20 Minuten. Und es geht auch schneller. Einige wenige Skizzen habe ich in 5 Minuten gezeichnet. Coloriert wird dabei schon mal nachträglich. Abstrahieren und ausprobieren sind wichtig, um sicherer und schneller im Strich zu werden.

Was kann man nun tun, damit man sich beim Zeichnen nicht in Details verliert? Hier meine ultimativen Tipps.

Meine 10 Tipps für schnelleres Urban-Sketching

Tipp 1: Wenig oder gar nicht vorskizzieren

Wer sich mit einer Vorskizze sicherer fühlt, sollte diese sehr einfach halten. Deute beim Vorzeichnen nur die groben Formen an. Verzichte auf Details. Es geht auch ohne: einfach loslegen, denn oftmals sind die spontanen Striche die schöneren und lebendigeren. Und wenn man mit einem wasserfesten Fineliner arbeitet, kommt auch nicht in die Versuchung zu radieren und immer wieder neu anzufangen.

Im Blog »Herz der Kunst« von Tine Klein findet Ihr viele Gedanken und Anregungen zur Vorzeichnung und ihre Tücken.

Tipp 2: Kleines Format

Ich zeichne meistens in relativ kleinen Skizzenbüchern. Sie sind meist Postkartengroß (A6) oder noch kleiner. Dadurch bleibt wenig Platz für viele Details, denn eine kleine Zeichnung wirkt schnell überladen.

Tipp 3: Die erste Linie

Die erste Linie ist entscheidend für die gesamte Zeichnung. Daher überlege Dir genau, welche Senkrechte als Anhaltspunkt dienen kann und orientiere Dich beim Zeichnen immer wieder an ihr.

Tipp 4: Noch einmal Zeichnen

Wer ein Motiv schon mit dem Stift erkundet hat, kann einfacher weglassen. Dies kann man zum Beispiel am Abend und in einem gesonderten Skizzenbuch machen. Die Skizze unten hat in der zweiten, unteren, Fassung gerade mal eine Minute gedauert.

Tipp 5: Zeitdruck

Auch wenn das Zeichnen entspannen soll, lässt man beim flüchtigen Skizzieren eher etwas weg, als wenn man sich viel Zeit lässt. Dafür auch auf einen Hocker oder eine andere Sitzgelegenheit verzichten, denn Gemütlichkeit ist ein Zeitkiller.

Tipp 6: Monumente zeichnen

Plastiken und andere Monumente weisen meist schon durch die künstlerische Darstellung eine Reduzierung und/oder Überzeichnung auf. Diese kann man dann noch einfacher vereinfachen – und dabei bewegt sich das Motiv nicht weg. Am Nischel vom alten Karl-Marx habe ich jeweils keine 5 Minuten gezeichnet.

Tipp 7: Wiederkehrende Motive kennen

Menschen, Fahrzeuge und Tiere folgen bestimmten Mustern. Ich habe ein Skizzenbuch, in dem ich mir ein Sammelsurium von verschiedenen Motiven angelegt habe und immer wieder ergänze. So muss man nicht erst vor Ort überlegen, wie man am schnellsten einen Spaziergänger oder einen PKW zeichnet.

Tipp 8: Nacharbeiten und ausprobieren

Nicht immer muss eine Skizze vor Ort fertig werden. Gerade das Colorieren lässt sich nachträglich gut machen. Und wenn man sich mal nicht sicher ist, ob die Nachtskizze einen Himmel bekommt oder nicht, dann einfach auf einem anderen Blatt ausprobieren. Für mein Beispiel unten habe ich mich dann doch entschieden, nur die Lichter anzudeuten und den Himmel nicht einzufärben.

Tipp 9: Inspiration

Wer noch immer keine Vorstellung hat, wie er am besten Motive vereinfacht, dem empfehle ich die Bücher von Jens Hübner. Und auch auf Instagram gibt es unter dem Hashtag #urbansketchers viele Anregungen von tollen Künstlerinnen und Künstlern.

Tipp 10: Zeichenmaterial reduzieren

Wer nicht viel dabei hat, kommt auch nicht in die Versuchung zu viel zu wollen. Ein Skizzenbuch, ein Bleistift mit Radierkappe, ein Wassertankpinsel, ein wasserfester Fineliner und ein Mini-Aquarellkasten mit 12 halben Näpfchen reichen meistens völlig aus. Mein Beispiel inklusive der Farben im Aquarellkasten findet Ihr hier.

Was hilft Euch besonders beim schnellen Zeichnen? Was sind Eure Tipps? Lasst es mich wissen.

Unterwegs

Die Skizzen der vergangenen Wochen.